Pressemitteilung vom 22.September 2008
Berufsorientierung im Schulgarten – am Ende winkt ein Ausbildungsplatz!
Interview.
Das Projekt heißt »Vertiefte Berufsorientierung« und ist ein Segen für Schüler von sieben Krefelder Hauptschulen und einer Gesamtschule.
Beteiligt sind jeweils die Agentur für Arbeit und die Bildungszentren des Baugewerbes (BZB) sowie eine Schule.
Die Schüler setzen die unterschiedlichen Projekte noch in diesem Jahr unter Anleitung von Fachpersonal und Mithilfe von Partnerfirmen um. Zum Auftakt gestalten zwölf Schülerinnen und Schüler aus den zehnten Klassen der Prinz-Ferdinand-Schule den Schulgarten neu.
Am Ende winkt ein Ausbildungsplatz bei einer der beteiligten Firmen.
Die WZ stellt das Projekt vor im Gespräch mit
Christoph Lanken, Fachlicher Leiter der BZB-Gesellschaft 1,2,3...Azubi-fit®gGmbH, und Rolf Dienemann, Rektor der Städtischen Gemeinschaftshauptschule Prinz-Ferdinand.
Von Wolfhard Petzold
Der Planungsstab ist mobil:
Das Baubüro unterwegs zur Prinz-Ferdinand-Schule, Krefeld
Foto: BZB e.V./1,2,3...Azubi-fit®gGmbH
Warum ist es nötig, Schülern eine »Vertiefte Berufsorientierung« mit praktischer Arbeit zu bieten?
Christoph Lanken:
Viele Jugendliche finden sich unter der Vielzahl der Berufsbilder nicht zurecht. Was macht ein Maurer überhaupt? Einen intensiven Einblick erhalten sie erst bei der praktischen Ausführung mit der Kelle in der Hand. Dabei können sie zunächst einmal mögliche falsche Vorstellungen korrigieren und dann entscheiden zwischen »Ja, kommt in Frage« oder »Nein, Finger weg«.
Rolf Dienemann:
Vor allem können die Schüler die oft vorhandenen Berührungsängste abbauen. Sie lernen, dass es sich um einen erstrebenswerten qualifizierten Beruf handelt und können noch verborgene Talente entdecken. Dabei sollen sie vielseitig eingesetzt werden, schon damit die Arbeit nicht langweilig wird.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Art der Berufsorientierung noch?
Christoph Lanken:
Natürlich möchten wir letztlich den jungen Menschen eine Chance auf einen Ausbildungsplatz verschaffen, indem wir sie in Theorie und Praxis schulen. So können sich die beteiligten Firmen ein genaues Bild von Arbeitsmoral und Leistungsvermögen machen – eine Art Scouting vor Ort. Die Grundlagen legen wir in der begleitenden theoretischen Fortbildung. In den BZB führen wir Bewerbungstraining am PC durch. Dazu gehören unter anderem Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und Recherche des Arbeitsmarktes sowie Stil- und Verhaltenstraining. Das reicht vom Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen bis zum Umgang mit Geld.
An der Prinz-Ferdinand-Schule soll jetzt der verwaiste Schulgarten neu gestaltet werden. Was wird erneuert und wie konnten die Schüler dafür begeistert werden?
Rolf Dienemann:
Aus der grauen Wüste soll nach einem kostenlosen Entwurf des Krefelder Gartenbauarchitekturbüros von Frentz eine neue Gartenanlage entstehen – eine kleine Oase mit einer Sitzgruppe, von der unsere Hauswirtschaft aber auch die anderen Schüler profitieren. Schwerpunkte sind das Pflastern von Wegen, das Anlegen eines Biotops mit Teich sowie von Nutzbeeten. Es war kein Problem, zwölf Schüler dafür zu gewinnen. Schwieriger ist es, dafür zu sorgen, dass der ausfallende Unterricht nachgeholt wird. Aber das schaffen wir. Ich bin schon gespannt, wie die Jugendlichen den Vollzeitjob verkraften, denn es wird von morgens bis abends gearbeitet.
Wer betreut die Schüler fachlich bei der Umsetzung des Projekts?
Christoph Lanken:
Von der Straßenbauerinnung haben sich Obermeister Joachim Selzer und zwei Baufachbetriebe bereit erklärt, neben einem Meister noch einen Gesellen sowie Bagger und Geräte zu stellen. Auch die Materialien wie Sand und Steine werden gesponsert. Von den BZB, die für die Projektvorbereitung zuständig sind, kommt ein Auszubildender hinzu. Schülerinnen und Schüler werden mit Berufskleidung ausgestattet, vom Fachpersonal in die Arbeiten und die Sicherheitsregeln eingewiesen und während der Ausführung betreut. Nach den Herbstferien gehts los. Bis Ende November wollen wir fertig sein.
Wer trägt die Kosten?
Christoph Lanken:
Die Kosten teilen sich BZB und Agentur für Arbeit, aber ohne die Unterstützung der Sponsoren mit Fachpersonal, Gerätschaften und Material wäre das Projekt nicht umsetzbar. Das gilt für alle gemeinsamen Aktionen mit den acht Schulen.
Interview Berufsorientierung
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